Still war’s im finstern Winterwald

 

Von Dieter Erggelet

Mi, 27. Dezember 2017

Teningen

Rund 70 Kinder und Erwachsene beteiligten sich an der weihnachtlichen Lichterreise des Schwarzwaldvereins Teningen.

 

Rund 70 Kinder und Erwachsene waren be... Teninger Allmend mit von der Partie.   | Foto: Dieter Erggelet   | Foto: Dieter Erggelet

 Foto: Dieter Erggelet

 

TENINGEN. Stille im finsteren Winterwald zu erleben – das war die Absicht vom Team des Schwarzwaldvereins Teningen. Rund 70 kleine und große Gäste , über die Hälfte Kinder, erlebten zwischen Abenddämmerung und Nacht eine rund zwei Kilometer lange Lichterreise in der Umgebung der Jägerackerhütte beim Teninger Trimm-dich-Pfad.

 Weitab vom Gedränge üblicher Weihnachtsmärkte mit Beschallung von Weihnachtsmusik verschiedener Musikrichtungen und Duftwolken von Bratenfett und Glühwein erlebten die Teilnehmer einen ganz anderen, sicher unvergesslichen Vorweihnachtsabend.

Einige Wochen vorher hatten Hildegard und Kurt Armbruster ihre Mitbürger im Amtsblatt der Gemeinde um Spenden von Einmachgläsern gebeten. Die Resonanz war überwältigend. Es kamen mehr als die 200 benötigten Gläser zusammen. Die waren notwendig, um auf der etwa zwei Kilometer langen Wegstrecke einige Lichter als Wegmarkierung zu setzten. Schließlich sollte sich niemand verlaufen oder verletzen.

"Haltet ruhig etwas Abstand voneinander, folgt nur dem Lichterschein der Kerzen. Und erlebt die Stille", empfahl Kurt Armbruster. Taschen- und Stirnlampen waren tabu. Lediglich Laternen dienten als Lichtquelle für unterwegs.

Arno Strecker aus Denzlingen hatte eine 50 Jahre alte Petroleumlampe aus dem Keller hervorgekramt, die ihm und seiner Enkelin noch gute Dienste als Lichtquelle erwies. Mit schwindendem Lärm werden die Sinne geschärft. Es roch nach vermodertem Laub, Pilzen oder frisch geschlagenem Holz. Hin und wieder knackte es im Dickicht. Allerdings: Weder Rehe noch ein Wildschwein, von denen einige in der Allmend nächtens unterwegs sind, ließen sich auszumachen. Aber ganz ohne Tiere wäre so ein Waldspaziergang für Kinder fad. Hildegard Armbruster versteckte in einer Art von Bilderrätsel an zehn Stationen Abbildungen mit Tiermotiven, die die Kinder bei schlechten Lichtverhältnissen erkennen und sich zu merken sollten. Somit stand doch ein Wettbewerb auf dem Programm – ein Junge hatte seinen Vater schon am Anfang danach gefragt und die Antwort erhalten, dass es hier ganz still zugehen solle.
 
Am Lagerfeuer herrschte dagegen seit Beginn reger Arbeitseinsatz der Helferinnen und Helfer.Stefan Rees vom Schwarzwaldverein war der Tausendsassa. Es galt für ihn, Brennholz zu beschaffen, einen riesigen Wassertopf aufzutreiben und das Lagerfeuer mit der richtigen Stärke zu entfachen und zu hüten. "Das ist unser Feuerteufel", witzelte Kurt Armbruster. Unterstützt wurde Rees von Michael Fuchs als Wächter des Feuers. Es dauerte einige Zeit, bis sich der Topf mit über zehn Litern Wasser der 100- Grad-Grenze näherte, um später Tee zuzubereiten, der auch richtig durchwärmt. Auf den benachbarten Bänken gestalteten überwiegend die Mütter ein prächtig aussehendes Buffet mit Weihnachtsgebäck. Ein Glöcklein erklang und Hildegard Armbruster erzählte am Lagerfeuer die Geschichte von einem Weihnachtsbaum. "Wenn du nicht richtig wächst, wirst du nie ein richtiger Tannenbaum" hieß es in dem Kinderbuch des japanischen Autoren Masahiro Kasuya, "Der allerkleinste Tannenbaum".

Dann wurden noch einige weihnachtliche Lieder gesungen und die Brötchen schmeckten noch besser. Viel Komplimente ernteten die Veranstalter von Gästen aus Denzlingen und Freiburg. Von der Ortsgruppe Denzlingen waren zahlreiche Mitglieder des Schwarzwaldvereins angereist, um diese Reise in die Stille zu mit zu erleben.

Für das Team vom Schwarzwaldverein Teningen war erst am Morgen danach wirklich Feierabend. Meike und Anika Rees hatten mit Weckgläsern am Nachmittag vor der Wanderung die zwei Kilometer lange Strecke markiert. Am Vormittag galt es, wieder die rund 200 Einmachgläser einzusammeln und zu verpacken. Ohne viele Scherben, versteht sich.